Presse

12. Juni 2015

Ästhetik des Hässlichen

Unkonventionelle Lösung mit Multipor Mineraldämmplatten

Dass Gegenstände und Kunstwerke, die nach üblichen Geschmacks-Kriterien als unschön oder hässlich empfunden werden, durchaus einen ästhetischen Reiz ausüben können, beweist der Berliner Architekt Arno Brandlhuber. An einem See in der Nähe von Potsdam hat er die leerstehende Lagerhalle einer ehemalige DDR-Trikotagenfirma zu seinem Wohnhaus umgebaut und stellt dabei die konventionellen Vorstellungen von Ästhetik infrage. Statt – wie man es erwarten würde - das Hässliche des Bestandsbaus hinter einer Fassadenbekleidung zu verbergen, erhält er den Bestandsbau in seiner ganzen Hässlichkeit und betont diese zusätzlich durch brutal in die Fassade gebrochene Öffnungen. Um den Erhalt der Originalsubstanz durchzusetzen, verzichtet er sowohl auf ein WDVS als auch auf eine Innendämmung und setzt auf eine Lösung mit differenzierten Wärmezonen. In Kombination mit einer Dämmung der neu eingezogenen Betondecke mit Multi


Bauen im Bestand – kein Thema, um das sich Architekten normalerweise reißen. Anders Arno Brandlhuber: Als Spezialist für ungewöhnliche architektonische Lösungen hat sich der Inhaber des Lehrstuhls für Architektur- und Stadtforschung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg schon früh einen Namen in der Branche gemacht. Abriss und Neubau hat er dabei zumindest nicht primär auf der Agenda stehen: „Wir müssen mit dem umgehen, was da ist,“ lautet sein Credo. Auch bei einem seiner jüngste Objekte, dem Umbau einer Industriehalle auf einem idyllischen Seegrundstück in der Nähe von Potsdam blieb er diesem Grundsatz treu. Statt für Abriss und Neubau von drei Einfamilieneigenheimen plädierte er für Renovierung und Umbau. Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Pichler entwickelte Brandlhuber ein Konzept, das die ehemalige Lagerhalle einer DDR-Trikotagenproduktion an die neue Nutzungsanforderung als Atelier- und Wohngebäude mit nur wenigen gezielten Eingriffen ermöglicht. Er nennt es ‚Anti-Villa‘, „weil es in Lage und Größe den Anforderungen an eine Villa entspricht, im Aussehen jedoch niemals diesen Ansprüchen gerecht werden kann.“
 
Gemäß der Philosophie des Planers, die Energie, die ursprünglich bei der Produktion von Baustoffen im Bestand investiert wurde, nicht durch einen Abriss, der wiederum Energie benötigt, zu vernichten, bleibt die vorgefundene Bausubstanz weitgehend erhalten. Abgetragen wurde jedoch das Satteldach aus Asbest-Wellplatten und durch ein neues Flachdach aus WU-Beton ersetzt. „Es ist eine tolle Plattform mit einem tollen Blick in die Landschaft entstanden,“ lobt der Berliner Architekt die neue Lösung.
 
Verändert hat Brandlhuber auch die vielen, jedoch sehr kleinen Fensteröffnungen und setzte dabei eine Methode ein, die ebenso effektiv wie brachial ist: Der Planer lud Freunde, Bekannte und Nachbarn zu einer ausgelassenen Party ein. Seine Gäste stattete er mit Vorschlaghammer und anderem schwerem Abbruchwerkzeug aus, mit der Bitte, die Fensteröffnungen zu vergrößern. „Mit großem Vergnügen,“ berichtet der Bauherr, „kamen diese der Bitte nach.“ Dabei blieb die Größe der Öffnungen dem Zufall bzw. dem Durchhaltevermögen des jeweils Ausführenden überlassen. Schluss sollte sein, wenn die Kräfte erschöpft oder die Vorgaben des Statikers, der bis zu maximal fünf Meter große Öffnungen erlaubt hatte, erreicht waren. Die groben Fensterdurchbrüche blieben ohne beschönigende Korrekturen so erhalten wie sie entstanden waren und unterstreichen damit den vermeintlich abrissreifen Charakter der vorgefundenen Bausubstanz.
 
Im Inneren entkernte Brandlhuber das Gebäude vollständig und entfernte alle nichttragenden Wände. Ins Zentrum des Raumes setzt er einen Funktionskern mit Bad, Küchenzeile und Sauna. „Sicherlich,“ gibt er unumwunden zu, „eine Sauna benötigt man nicht unbedingt zum Leben. Aber hier mit dem See direkt vor der Haustür ist das einfach genial.“
 
Zugunsten des Erhalts der vorgefundenen Bausubstanz lehnte Brandlhuber sowohl ein Wärmedämmverbundsystem als auch die Alternative einer Innendämmung der Außenwände ab, entschied sich jedoch zur Dämmung der neu eingezogenen Betondecke. Das Problem, den rund 500 m² großen Raum ohne Dämmung zu heizen, zumal der Saunaofen die einzige Heizquelle im Gebäude ist, löste er mit verschiedenen Temperaturzonen, die von innen nach außen kühler werden. Sie werden durch transparente Vorhänge aus Weich-PVC, wie man sie etwa von Kühlräumen kennt, gegeneinander abgegrenzt. So bleibt der große Raumeindruck erhalten. Im Winter steht damit eine beheizte Nutzfläche von ca. 50 m² zur Verfügung, die sich je nach Jahreszeit und Wetterbedingungen entsprechend vergrößert. 
 
Deckendämmung
Bei der Dämmung der Betondecke entschied sich Brandlhuber für die Mineraldämmplatte Multipor DI. Damit fiel die Wahl auf eine massive vollmineralische Dämmungen, mit der bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,042 W/(mK) damit gute Dämmwerte erreicht werden. Gleichzeitig bestätigt das für seine hohen ökologischen Anforderungen bekannte Umweltsiegel Natureplus sowie die Umwelt-Deklaration des Institutes Bauen und Umwelt e. V. die hohe Umweltfreundlichkeit der Platte. Die ausschließlich auf der Basis von Kalk, Sand, Zement und Wasser hergestellten Mineraldämmplatten sind formstabil, druckfest. Eine schnelle und sichere Verarbeitung sorgt für kurze Bauzeiten und reduziert die Kosten. Auch – im vorliegenden Fall jedoch nicht relevant – Brandschutzanforderungen können damit erfüllt werden: Multipor ist nach DIN 4102-1 als nicht brennbarer Dämmstoff der Baustoffklasse A 1 klassifiziert und erfüllt im mineralischen Gesamtsystem nach EN 13501-1 die Kriterien der Baustoffklasse A2. Die vollmineralischen Platten entwickeln bei Feuer keine toxischen Gase.
 
Schnelle und einfache Verarbeitung
Die Dämmung der Decke erfolgte zweilagig mit einer Gesamtdicke von 300 mm. Dabei konnten die 140 mm dicken Platten der unteren Lage einfach direkt auf dem Beton-Untergrund verklebt werden, der durch Entfernen von Schalölresten und überstehenden Betongraten zuvor entsprechend vorbereitet wurde. 
 
Die Verarbeitung erfolgte von einem Rollgerüst aus. Dazu hatten sich die Mitarbeiter des verarbeitenden Unternehmens Holz- und Bautenschutz Ronny Gassner aus Berlin die Materialmenge, die etwa dem geplanten Arbeitspensum entsprach, auf dem Gerüst bereit gestellt. Der ebenfalls auf dem Rollgerüst sackweise frisch angerührte Multipor-Leichtmörtel wurde vollflächig mit einer Zahntraufel auf der Plattenunterseite aufgetragen und anschließend mit den Zähnen der Glattkelle „durchgekämmt“. Idealerweise beträgt die Steghöhe, also die Dicke des aufgetragenen Leichtmörtels, nach dem „Durchkämmen“ etwa 7-8 mm. Damit können Unebenheiten im Untergrund einfach ausgeglichen werden. Um eine möglichst kraftschlüssige Verbindung zwischen Kleber, Platte und Wand zu erzeugen, wurden die Dämmplatten sofort nach dem vollflächigem Auftragen des Klebers mit entsprechendem Druck auf der Deckenoberfläche eingeschwommen und dann in die richtige Position gerückt. Herausquellender Mörtel wurde entfernt.
 
Die Platten der unteren Lage wurden im Verband mit einem Fugenversatz von > 15 cm verklebt und anschließend gemäß den Vorgaben der Bauregelliste Teil C zusätzlich mit einem Dübel in Plattenmitte im Untergrund befestigt. Bei der zweilagigen Verarbeitung war ausreichend, nur die erste Plattenlage zu verkleben und verdübeln. Die zweite – 160 mm dicke - Lage der Multipor Mineraldämmplatten DI hatten die Mitarbeiter von Ronny Gassner einfach unter Beachtung des Fugenversatzes von > 15 cm auf der unteren Lage verklebt. Dies sparte Kosten durch kürzere Dübellängen und sorgte zudem für eine angenehme Optik. Das Oberflächenfinish erfolgte mit Multipor Leichtmörtel, der vor Ort in Beton-Grau eingefärbt und damit farblich an die Umgebung angepasst wurde.
 
Exakte Zuschnitte
Bei einer Plattengröße von 600 x 390 mm war das Über-Kopf-Arbeiten ohne große Kraftanstrengung möglich. Ein Abstützen bis zum Abbinden des Multipor Leichtmörtels war nicht notwendig. Wichtig für den reibungslosen Arbeitsverlauf war vor allem die sorgfältig lot- und flutrechte Ausführung der ersten Reihe. Nach der Verarbeitung lagen die Mineraldämmplatten im Stoß fugenlos nebeneinander, die Stoßfugen wurden nicht verklebt. Geringe Unebenheiten im Stoßbereich konnten nach dem Abbinden mit einem Schleifbrett plan geschliffen werden.
 
Einfach war auch der individuelle Zuschnitt der Multipor Mineraldämmplatten, der mit einem feinzahnigen Fuchsschwanz einfach ausgeführt werden konnte. Bei diesen Zuschnittarbeiten war für die Mitarbeiter vor Ort die Faserfreiheit der Dämmplatten besonders angenehm.
 
Schallabsorption
Bei der Deckendämmung mit Multipor Mineraldämmplatten DI profitierte Architekt Brandlhuber zusätzlich von den schalldämmenden Qualitäten des Dämmstoffs, der durch seine poröse Materialstruktur laute Geräusche minimiert. Dadurch wird, im Gegensatz etwa zu einer Betonoberfläche, die fast den ganzen Schall zurückwirft, 35 % der Schallenergie (αw=0,35) absorbiert.
 
Durch die Deckendämmung und in Kombination mit den differenzierten Wärmezonen konnte Brandlhuber am Ende für seine Antivilla einen Wärmeschutznachweis gemäß der geltenden Bestimmungen führen.