Farbe ersetzt keine Außendämmung

Faktencheck 10: „Infrarot-reflektierende Farben und Materialien reichen aus: 20 Prozent und mehr Energieeinsparung sind möglich.“

Mit infrarot (IR)-reflektierender Beschichtung auf der Innen- oder Außenseite von Außenwänden Energie einsparen – geht das? In der Werbung werden Produkte beworben, die genau das versprechen. Doch wird die Wirkung von infrarot-reflektierenden Farben für die Fassadendämmung stark überschätzt.

Schon 1982 zeigte Prof. Dr.-Ing. Karl Gertis, langjähriger Vorsitzender des renommierten Fraunhofer Instituts für Bauphysik, zusammen mit Kollegen, dass IR-reflektierende Beschichtungen – besonders auf Außenwänden – als Außendämmung nahezu wirkungslos sind. Denn der vorbeistreichende Wind sorgt dafür, dass der konvektive Wärmeübergang dominiert und keine Dämmwirkung erfolgt. Anders im Innenraum: Bringt man hinter Heizkörpern IR-Folien an, können die Wärmeverluste dieser Bauteile um über zehn Prozent reduziert werden.

Ansonsten ist von der raumseitigen Verwendung dieser Folien eher abzuraten: Die Bauteiloberflächentemperatur sinkt und das Schimmelpilzrisiko steigt. Jedoch kann eine infrarot-reflektierende Außenbeschichtung eine vielversprechende Maßnahme sein, um den Algenbefall zu reduzieren (siehe hierzu Faktencheck 7).

Ergebnis Faktencheck 10:

Infrarot-reflektierende Farben ersetzen keine Außendämmung. Sie sind eingeschränkt sinnvoll zur gezielten Verwendung im Innenraum hinter Heizkörpern.

PDF Download Ausgabe 13 "Farbe ersetzt keine Außendämmung"

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